Digitalisierung der Lehrkräfte
Von Christiane Freihold

Wie Mitarbeiter digitaler werden

„Ich bin Schulleiterin einer großen Gesamtschule und obwohl der Corona-Lockdown gezeigt hat, welche Möglichkeiten der Einsatz digitaler Medien für den Unterricht haben, gibt es bei uns immer noch Lehrkräfte, die an ihren eingeschliffenen Unterrichtskonzepten festhalten und keine Offenheit den neuen Medien gegenüber zeigen. Als Schulleiterin sehe ich eine stärkere Digitalisierung als notwendige Voraussetzung für die Anschlussfähigkeit an Schüler*innen, Eltern und Gesellschaft. Was kann ich tun?“ 

Unboxing Psychology –  Veränderungsphasen

Ob wir wollen oder nicht – wir Menschen sind Gewohnheitstiere und uns fallen Veränderungen oft schwer. Laut dem Praxis-Modell von Dr. Claes Janssen „Die vier Räume der Veränderung“ durchlaufen Menschen in jeder Veränderung, die von außen induziert ist, vier „Räume“ oder Phasen:

Zufriedenheit, Verleugnung, Verwirrung, Erneuerung.

Die erste Phase sagt nicht, dass wir grundsätzlich zufrieden sind, sondern, dass wir in der aktuellen Situation keine Veränderung selbst initiiert hätten. Kommt dann dennoch eine Veränderung, reagieren wir zunächst mit Verleugnung, das heißt, wir zweifeln zunächst an, dass diese Veränderung etwas mit uns zu tun hat. Bei Corona glaubten wir lange, dass es nur andere Länder oder später Bundesländer treffen würde, bis wir dann einsehen mussten, dass eine weltweite Pandemie eben doch nicht an unserer Heimat vorbeigeht. Erst wenn wir keine Möglichkeit sehen, die Veränderung zu leugnen, setzen wir uns mit dem Thema wirklich auseinander und gelangen dann in die Phase der Verwirrung. Hier müssen wir lernen, mit der neuen Situation umzugehen und unsere gewohnten Wege zu verlassen. Erst wenn wir diese Phase durchlaufen haben, ergibt sich die Chance, in die Phase der Erneuerung zu gelangen, in der Erfolge oder neue Lernerfahrungen sichtbar werden. Das Modell zeigt, dass es keine Abkürzungen gibt und keine Phase übersprungen werden kann. Menschen durchlaufen diese Phasen in ihrem individuellen Tempo und daher kann ein Kollegium an unterschiedlichen Phasen gleichzeitig sein.

Quelle: Alfred Tschönhens und Elmar Bissegger: Die vier Zimmer der Veränderung. In: Change Tools, managerseminare Verlags GmbH, Bonn 2006 25.10.2019 Seite 8

Empfehlung für mehr Offenheit für Digitalisierung

Hoffen Sie nicht auf Freiwilligkeit und Einsicht! Lehrkräfte, die an Ihren gewohnten Unterrichtskonzepten festhalten, hängen in der Phase der Verleugnung fest. Sie haben den Eindruck, dass die Digitalisierung mit ihnen und ihrem Unterricht nichts zu tun hat. Digitalisierung ist aus ihrer Sicht eher passend für Unternehmen oder wenn sie überhaupt die Schule betrifft, dann Kolleg*innen anderer Fächer, bei denen der Einsatz digitaler Medien mehr Sinn macht als bei ihnen. Um aus der Phase der Verleugnung zu kommen, ist es nötig, Situationen zu schaffen, in denen Ihre Lehrkräfte digitale Medien nutzen müssen. Corona hat diesbezüglich bei vielen Lehrer*innen bereits einen guten Effekt gehabt. Für die anderen Kolleg*innen kann es helfen, einen pädagogischen Tag zu veranstalten, bei dem alle Lehrer*innen Erfahrungen mit einer digitalen Unterrichtsreihe einbringen müssen oder Unterrichtsbesuche durchzuführen, in denen Sie gezielt den digitalen Medieneinsatz beobachten und rückmelden sollen. Natürlich gelten die Phasen der Veränderungen genauso für Mitarbeiter in anderen Organisationen und Unternehmen. Und noch etwas ist wichtig: 100 Prozent gibt es nur in der Mathematik, nicht in der Realität – und bei dem einen oder anderen Kollegen ist auch „Energiesparen“ die richtige Empfehlung, um Ressourcen für andere wichtige Entwicklungsmaßnahmen frei zu haben.

Christiane Freihold
Christiane Freihold
Als Psychologin (Diplom) und systemische Beraterin mit Linien- und Beratungserfahrung in mittelständischen Unternehmen, Konzernen und Behörden möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass wir beruflich und privat neugierig aufeinander bleiben, uns gegenseitig besser verstehen, auf Bedürfnisse des Gegenübers angemessener reagieren und die Welt ein Stück fröhlicher und lebenswerter machen.