Ein Großteil unserer alltäglichen Reaktionen, Bewertungen und strategischen Weichenstellungen läuft tief unter der Oberfläche unseres Bewusstseins ab, so auch bei Menschen in leitenden Funktionen – ein Psycho-Hack zum rationalen Führen:
Psycho-Fail:
Ich muss mich nicht mit der Psyche beschäftigen – im Beruflichen handel ich rational.
Unboxing Psychology:
Die Vorstellung, dass wir im Job sachlich, objektiv und frei von Emotionen entscheiden und handeln, ist einer der hartnäckigsten Mythen der Arbeitswelt.
Was wir nicht sehen, steuert uns trotzdem.
Die Psyche arbeitet zu einem großen Teil unterhalb unserer bewussten Wahrnehmung. Unbewusste Überzeugungen, früh erlernte Verhaltensmuster und emotionale Reaktionen beeinflussen täglich, wie wir Situationen bewerten und welche Entscheidungen wir treffen – oft ohne, dass wir es bemerken.
Ein konkretes Beispiel: Eine Führungskraft steht für die Nachbesetzung einer Position unter Zeitdruck. In dieser Situation greift das Gehirn auf das zurück, was es kennt: Jemand aus dem eigenen Netzwerk, jemand, der „irgendwie passt“, jemand, der an bekannte Muster erinnert.
Ein strukturiertes Recruitmentverfahren, mit klaren Anforderungsprofilen, mehreren Perspektiven, standardisierten Auswahlkriterien, wird als zu aufwendig empfunden und umgangen.
Neurologisch ist das erklärbar: Unter Stress verengt sich die Wahrnehmung, die Entscheidungsqualität sinkt. Das Ergebnis fühlt sich richtig an und ist es oft nicht. So entstehen kostspielige Fehlbesetzungen.
Psycho-Hack:
Die fünf Minuten Reflexion nach wichitgen Meetings und Gesprächen.
Das Stichwort lautet: Selbstreflexion – und zwar regelmäßig und zeitnah. Forschung der UC Berkeley zeigt, dass fünf Minuten Reflexion direkt nach einem wichtigen Meeting oder Gespräch wertvoller sind als eine Stunde Nachdenken eine Woche später – weil Emotionen und Details dann noch präsent sind.
Drei konkrete Einstiegsfragen für die tägliche Selbstreflexion:
● Welche Emotion hat mich heute in einer Situation am stärksten beeinflusst – und warum?
● Wo habe ich heute reagiert, statt bewusst gehandelt?
● Was würde ich morgen in einer ähnlichen Situation anders tun?
Wer diese drei Fragen konsequent in den Alltag integriert, beginnt, blinde Flecken sichtbar zu machen. Denn erst wer versteht, was ihn unbewusst steuert, gewinnt die emotionale Unabhängigkeit des rationalen Führens.
Unser Thema in diesem Monat ist „Unter der Oberfläche: Wie die Psyche unser Arbeitsleben bestimmt.„
Quelle: Haufe – Der Weg zur Selbstwahrnehmung für Führungskräfte
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