Von Christiane Freihold

Erfolgskiller: Unabhängigkeit im Beruf

„Du kannst alles schaffen!“ ist ein Mantra unserer Zeit und Podcasts, Blogs und Ratgeber überschlagen sich darin, mentale Strategien zu finden, wie man sich selbst noch weiter optimieren kann. Dabei muss man doch gar nicht alles schaffen oder können. Unabhängigkeit im Beruf kann sogar zum Erfolgskiller werden.

Meist reicht herauszufinden, worin man richtig gut ist und sich Unterstützer für den Rest zu suchen. So halten es auch Leistungssportler, Musiker und YouTube Stars – sie können eine Sache gut und haben ein Team mit zahlreichen Personen, die sich um alles andere kümmern. In diesem Sinne geht es heute um die Erkenntnis, dass ein unterstützendes Netzwerk wertvoller ist als die Illusion des Selfmade Man.

Sei unabhängig! Dieser Gedanke klingt zunächst wie ein Erfolgsrezept für Führungskräfte: Wer alles selbst schafft, zeigt Stärke und Unabhängigkeit. Genau hier lauert einer der mächtigsten Stressverstärker nach Gert Kaluza – und er führt viele in die Überforderung.

Kaluzas Stressmodell:

Drei Ebenen der Belastung: Der Psychotherapeut und Stressforscher Prof. Dr. Gert Kaluza erklärt in seinem Stressampel-Modell, warum äußere Belastungen allein nicht ausreichen, um chronischen Stress zu erzeugen. Entscheidend sind drei Ebenen:

Stressoren (z.B. Zeitdruck), persönliche Stressverstärker (Denkmuster) und Stressreaktionen (z.B. Erschöpfung).
Die Stressverstärker sind besonders heimtückisch, weil wir uns damit selbst unter Druck setzen. 

Kaluza nennt fünf zentrale Muster, die vor allem leistungsstarke Menschen wie Führungskräfte treffen:

1. Sei unabhängig!
Du glaubst: „Nur wer alles allein stemmt, ist wirklich kompetent.“ Das Ergebnis? Du delegierst zu wenig, holst keine externe Experten hinzu und verlierst Zeit für strategische Führungsaufgaben. 
2. Sei perfekt!
Perfektionismus lässt dich jede Kleinigkeit doppelt prüfen und Dich im Detail verlieren – Das raubt Energie und blockiert Fortschritt.
3. Sei beliebt!
Du sagst selten Nein, um Konflikte zu vermeiden. Das führt zu Überlastung, weil deine Grenzen unsichtbar bleiben.
4. Behalte die Kontrolle!
Du misstraust anderen und behältst alles im Blick. Das erstickt Eigeninitiative im Team und bindet deine Kapazitäten. 
5. Halte durch!
„Noch diese Woche durchziehen, dann wird’s besser“ – ein Mantra, das Erholung verhindert und in Burnout münden kann.

In diesem Monat geht es in unserer Blogreihe um den Erfolgskiller Unabhängigkeit im Beruf – Warum Du nicht alles alleine schaffen musst!

Foto: Black Forest Labs

Psycho-Hacks vom rosaroten Elefanten

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Christiane Freihold
Als Psychologin (Diplom) und systemische Beraterin mit Linien- und Beratungserfahrung in mittelständischen Unternehmen, Konzernen und Behörden möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass wir beruflich und privat neugierig aufeinander bleiben, uns gegenseitig besser verstehen, auf Bedürfnisse des Gegenübers angemessener reagieren und die Welt ein Stück fröhlicher und lebenswerter machen.

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