Von Christiane Freihold

Lernforschung anwendbar machen

Meistens verpuffen gut gemeinte Weiterbildungen im stressigen Arbeitsalltag. Wenn wir wollen, dass Lernen in Organisationen wirklich nachhaltig ist und Verhaltensänderungen bewirkt, müssen wir weg von der reinen Wissensbeschallung. Die folgenden 7 wissenschaftlich fundierten Prinzipien zeigen, wie modernes Workplace Learning gelingt – weg vom reinen Konsumieren, hin zu Lernforschung anwendbar machen.

1. Weniger Input, mehr Abrufen ermöglichen
Nicht nur Wissen vermitteln, sondern Erinnerung und Anwendung aktivieren. Ein einfaches Beispiel: Meetings mit der Frage „Was nehmen wir mit?“ zu beenden, statt nur zusammenzufassen. Das konnte 2006 durch den Testing Effect von Roediger und Karpicke bestätigt werden.

2. Erst denken, dann Input geben
Lasst Menschen erst einen Fall lösen oder Hypothesen entwickeln, bevor Methoden eingeführt werden. Dieses Prinzip knüpft an Robert Bjorks Konzept der Desirable Difficulties von 2011 an. 

3. Lernen verteilen statt verdichten
Mehrere kleine Lernimpulse über Wochen wirken oft nachhaltiger als ein einmaliger Workshop. Dass verteiltes Lernen deutlich wirksamer ist als komprimierte Lernblöcke, zeigt der Spacing Effect, welcher umfassend von Cepeda belegt werden konnte.

4. Themen bewusst mischen statt isoliert trainieren
Auch Interleaving, also unterschiedliche Themen bewusst zu kombinieren, kann Transfer verbessern. Rohrer und Taylor (2007) konnten zeigen, dass gemischtes Üben nachhaltiger wirkt als blockweises Lernen.

5. Fehler als Lernressource behandeln
After-Action-Reviews, Lessons Learned oder Reflexionsschleifen helfen, Erfahrung wirklich nutzbar zu machen. Dass ein konstruktiver Umgang mit Fehlern Leistung und Transfer fördern kann, zeigt auch Forschung zum Error Management Training von Keith und Frese (2008) sowie Arbeiten zur Fehlerkultur von Van Dyck et al. (2005). 

6. Lernen sozial machen
Peer Learning, Lern-Communities und kollegiale Beratung erhöhen Reflexion und Anwendung. Viel Lernen entsteht gerade im Austausch – nicht allein. Genau darauf verweist auch klassische Forschung zu Team Learning und psychologischer Sicherheit von Amy Edmondson (1999): Teams lernen besser, wenn Menschen Ideen teilen, Fragen stellen und gemeinsam denken können. 

7. Lernen enger mit Arbeit koppeln
Besonders wirksam wird Lernen dann, wenn es im Arbeitsprozess stattfindet und nicht nur daneben. Forschung zu Workplace Learning, etwa von Marsick und Watkins 2023, zeigt seit Langem, dass Lernen besonders stark wirkt, wenn es nah an realen Herausforderungen stattfindet und nicht vom Alltag entkoppelt wird. 

Quellen

Wenn wir diese Hebel konsequent nutzen, gelingt es uns, aktuelle Lernforschung anwendbar zu machen und eine lebendige, zukunftsfähige Lernkultur im Unternehmen zu etablieren.

Foto: Pexels

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Christiane Freihold
Als Psychologin (Diplom) und systemische Beraterin mit Linien- und Beratungserfahrung in mittelständischen Unternehmen, Konzernen und Behörden möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass wir beruflich und privat neugierig aufeinander bleiben, uns gegenseitig besser verstehen, auf Bedürfnisse des Gegenübers angemessener reagieren und die Welt ein Stück fröhlicher und lebenswerter machen.

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