Der Wirtschaftsfaktor „Konzentration“ lohnt einen genaueren Blick, denn Beschäftigte in deutschen Unternehmen werden laut der Tagebuchstudie „Kosten von Arbeitsunterbrechungen für deutsche Unternehmen“ von Starker, Roos, Bracht und Graudenz (2022) im Schnitt fünfzehnmal pro Stunde unterbrochen – also alle vier Minuten.
Gleichzeitig verbringen sie bei einer 40-Stunden-Woche rund 1,5 Tage in Meetings, von denen nach Einschätzung der Befragten 35 Prozent irrelevant sind.
Die Folgen sind erheblich: Allein die Re-Fokussierungszeit nach Unterbrechungen kostet deutsche Unternehmen laut Studie 58,5 Milliarden Euro pro Jahr, irrelevante Meetings weitere 55,7 Milliarden Euro. Die Autorinnen und Autoren kommen deshalb zu einem alarmierenden Befund: „Damit geht eine 5-Tage-Arbeitswoche pro Monat verloren.“ Was nach normalem Arbeitsalltag aussieht, ist in Wahrheit ein System permanenter Aufmerksamkeitsverluste.
Fazit für Führungskräfte
Für Führungskräfte folgt daraus vor allem eines: Wer gute Arbeit ermöglichen will, muss die Störfaktoren im Alltag gezielt verringern und Rahmenbedingungen schaffen.
Hilfreich sind klare Regeln: Was ist wirklich dringend, wann reicht eine spätere Antwort, und welche Zeiten bleiben frei von E-Mails, Chats oder spontanen Anfragen?
Ebenso wichtig ist ein bewussterer Umgang mit Meetings. Jedes Meeting sollte einen klaren Zweck mit Agenda, eine passende Teilnehmerauswahl und einen verbindlichen Zeitrahmen haben. Vieles lässt sich auch schneller in einer kurzen Abstimmung oder schriftlich klären.
Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Struktur des Tages. Mitarbeitende arbeiten effizienter, wenn es geschützte Phasen für anspruchsvolle Aufgaben gibt. Führungskräfte können solche Fokuszeiten fördern, indem sie terminfreie Zeitfenster ermöglichen und Rückfragen stärker bündeln, statt sie sofort zu platzieren.
Auch die eigene Führungspraxis verdient einen kritischen Blick. Spontane Zusatzaufgaben, ständige Statusabfragen und unklare Prioritäten erzeugen unnötiges Umschalten. Klare Aufträge, eindeutige Prioritäten und realistische Zeitfenster schaffen dagegen Orientierung und Ruhe.
Am Ende geht es nicht um mehr Disziplin der Mitarbeitenden, sondern um bessere Bedingungen für Konzentration.
Foto: nano banana