Wie ist die Stimmung? Ist wirklich alles so schlecht – oder fühlt es sich nur so an?
„Den Politikern kann man nicht mehr trauen.“ „Die Jugend will nicht mehr arbeiten.“ „Mit der Wirtschaft geht’s nur noch bergab.“ In unseren Seminaren hören wir solche Sätze ständig. Egal ob Politik, Wirtschaft, Stau auf der A3 oder „die jungen Leute“: Viele teilen das Gefühl, dass es in Deutschland nur noch abwärts geht. Dabei macht eine Zahl stutzig: Im ZDF-Politbarometer vom Januar 2026 sagen 62 % der Befragten, ihre eigene wirtschaftliche Lage sei gut. Die allgemeine Wirtschaftslage im Land finden aber nur 8 % gut (Forschungsgruppe Wahlen, 2026).
Zeit also für die Frage: Was steuert eigentlich unsere Stimmung? Darum geht es in dieser Blogreihe.
Faktencheck: Wie geht es Deutschland wirklich?
Die Stimmung ist schlecht. Wie sieht es mit der Lage aus? Hier einige Daten, alle aus 2025/2026:
• Wir leben länger als je zuvor: 2025 lag die Lebenserwartung bei Geburt bei 83,6 Jahren für Frauen und 79,1 Jahren für Männer – neue Höchstwerte (Statistisches Bundesamt, 2026). Um 1871/1881 lag sie bei 35,6 bzw. 38,5 Jahren.
• Die Kaufkraft steigt wieder: Die Reallöhne stiegen 2025 um 1,9 %. Beim Fünftel der Vollzeitbeschäftigten mit den niedrigsten Verdiensten legten die Nominallöhne sogar um 6,0 % zu (Destatis, 2026).
• Die Beschäftigung ist nahe am Rekord: 2025 waren rund 46,0 Millionen Menschen erwerbstätig – nur 5.000 weniger als im Rekordjahr 2024, dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung (Destatis, 2026).
• Wir sind zufrieden, und zwar zunehmend: Im World Happiness Report 2026 steigt Deutschland von Platz 22 auf Platz 17. Im SKL-Glücksatlas 2025 bewerten die Deutschen ihr Leben mit 7,09 von 10 Punkten, 48 % sind „hochzufrieden“ (Raffelhüschen u. a., 2025).
• Die Lebensqualität ist Weltspitze: Im Human Development Index der Vereinten Nationen teilt sich Deutschland mit Schweden Platz 5 weltweit (UNDP, 2025).
• Die Kriminalität ist gesunken: 2025 registrierte die Polizei 5,6 % weniger Straftaten als im Vorjahr, auch die Gewaltkriminalität ging zurück (BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025). Von 1993 bis 2009 lagen die Fallzahlen jedes Jahr über sechs Millionen, 2025 waren es rund 5,5 Millionen.
• Die Straßen sind viel sicherer geworden: 2025 starben 2.832 Menschen im Straßenverkehr. Jeder Tote ist einer zu viel, aber 1970 waren es allein im früheren Bundesgebiet 21.332 (Destatis).
• Die Demokratie ist stabil: Freedom House gibt Deutschland 95 von 100 Punkten und den Status „frei“ (2026). Der Democracy Index der Economist Itelligence Unit führt Deutschland als „vollständige Demokratie“ (EIU, 2024).
Um objektiv zu bleiben, gehören natürlich auch die negativen Trends dazu:
Die Wirtschaft wächst kaum, die Zahl der Erwerbslosen stieg 2025 um 10,8 % auf 1,7 Millionen (Destatis, 2026), und bei der Pressefreiheit ist Deutschland auf Platz 14 abgerutscht (Reporter ohne Grenzen, 2026). Solche Probleme sind echt. Und doch zeigt auch die Körber-Stiftung (2025) dasselbe Muster wie das ZDF-Politbarometer:
59 % bewerten ihre eigene wirtschaftliche Lage als gut, 76 % die Lage im Land aber als „weniger gut“ oder „schlecht“.
„Mir geht’s gut, dem Land geht’s schlecht“ – das wirft die spannende Frage auf: Wie entstehen eigentlich eine solche kollektive Stimmungen?
Damit beschäftigen wir uns im nächsten Artikel.
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